Die Küstenstraße nach Rabat

Hatte ich gestern schon von Gegensätzen berichtet, so wurde dieser Eindruck heute bei Weitem getoppt.Da ich heute Rabat erreichen wollte und das Hotel nicht wirklich zum Verweilen einlud, bin ich früh gestartet. Der Weg führte mich zunächst ein Stück auf der RN27 stadtauswärts.

Nach der Auffahrt zur Autobahn entschloss ich mich, wie geplant die Küstenstraße Richtung Kenitra und Rabat zu nehmen. Recht schnell befand ich mich in einer stark landwirtschaftlich genutzten Region, die ich anschließend nahezu einhundertzwanzig Kilometer nicht verlassen sollte.

Und nun begannen die bereits erwähnten Gegensätze. War Larache noch urban geprägt, änderte sich das Erscheinungsbild gravierend. Denn mit der überwiegend maschinell betriebenen Landwirtschaft, wie sie wohl die Meisten kennen, hatte das, was ich auf den kommenden einhundertzwanzig Kilometern erleben durfte, wenig zu tun.

Landwirtschaft ist in dieser Region offenbar immer noch überwiegend Handarbeit.Der lokale Transport von Handwerkzeugen und auch den Erzeugnissen findet mit Pferd- oder Eselskarren statt. Nicht selten wird auch das jeweilige Tier direkt beladen. Auch nicht selten sind Lasten-Motorräder, dreirädrige Gefährte, die zumeist hoch beladen sind.Häufig waren auch ‚geparkte‘ Pferde oder Esel beidseits der Strecke zu beobachten.Wobei man sich um verendete Tiere nicht immer zu kümmern scheint. Mache werden dann halt der Natur (den Vögeln) überlassen.In den kleinen Ortschaften am Wegesrand waren immer wieder kleine Werkstätten zu sehen, in denen abenteuerliche Reparaturen oder Steinmetzarbeiten zumeist unter freiem Himmel durchgeführt wurden.Teilweise wachsen Pflanzen (vielfach Bananen) auch in Folien-Gewächshäusern oder direkt unter Folien heran. In diesem Zusammenhang konnte ich häufig zum Teil stark beschädigte Kunststoff-Folien beobachten, die dann zu Abfall werden.A propos Abfall. Leider gehörte auch das zum Bild, das ich von der heutigen Etappe mitnehme. Müll!

Nicht nur durch die angesprochenen Folien, Müll am Wegesrand war auf der gesamten Tageseappe omnipräsent.Nach meinem Dafürhalten sind größte Anstrengungen notwendig, dieses Problem weltweit in den Griff zu bekommen.Noch mehr Gegensätze? Auch das fand ich bemerkenswert. An einem Punkt der heutigen Strecke war links das Gymnasium und direkt gegenüber ein Holzhändler.Weitere Beispiele waren ein schwunghafter Handel mitten auf einer Kreuzung oder Wohnzelte von Straßenarbeitern direkt neben der Kreuzung.Richtig deutlich habe ich diese Gegensätze jedoch empfunden, als ich zum Ende der einhundertsechzig Kilometer der heutigen Etappe in das Stadtgebiet von Rabat gefahren bin.

Dort standen plötzlich architektonisch ansprechende Gebäude und es fuhr eine hypermoderne Straßenbahn.Und auf dem Weg zu meiner Unterkunft, mitten in der Medina, schlug mir eine überbordende Fülle an Waren entgegen.Auch das Dar Yanis, in dem ich heute übernachte, vervollständigt meinen Eindruck.In Zukunft werde ich für meinen Teil jedenfalls etwas nachdenklich sein, wenn im Supermarkt auf der Verpackung als Erzeugerland ‚Marokko‘ steht.

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